12.05.2026

Abschied von Ruth Votteler

Bleib dran – liebevoll und eindringlich gab Ruth Votteler ihrer Enkelin diesen Rat weiter. Worte, die aus einem langen Leben voller Herausforderungen und Segensmomenten stammten.

Ruth galt als gütige, klare und konsequente Persönlichkeit. Sie benannte Missstände offen, war pragmatisch, tief im Glauben verwurzelt und bis ins hohe Alter interessiert am Geschehen der Freundeskreise. Untrennbar blieb sie mit ihrem Mann Karl verbunden – er der „Außenminister“, sie die „Innenministerin“.

Als Frau der ersten Stunde gründete sie mit Karl den ersten Freundeskreis in Reutlingen. Ihrem Einsatz ist es wesentlich zu verdanken, dass Evangelium und Angehörigenarbeit von Beginn an einen festen Platz in der Gemeinschaft hatten. Gastfreundschaft prägte ihr Leben: Das Wohnzimmer wurde zum ersten Gruppenraum, viele fanden dort Ersatzeltern, Zuflucht und Unterstützung.

In einer Zeit ohne etablierte Suchthilfe verband Ruth ihre eigene Suchtbewältigung mit engagierter Arbeit für Angehörige und Familien. Hausbesuche, Begleitung und Integration neuer Menschen gehörten selbstverständlich dazu – neben der Verantwortung für den Familienbetrieb. Für die vier Kinder bedeutete dieses große Engagement oft auch Verzicht.

Mit dem Wachstum der Bewegung entstanden Kontakte in andere Bundesländer, so wurde auch ein Bundesverband gegründet. Ruth und Karl wurden in Reutlingen und darüber hinaus bekannt; Auszeichnungen wie Bundesverdienstkreuz, Kronenkreuz in Gold und Staufermedaille würdigten ihr Wirken.

Auch im Pflegeheim blieb Ruth aktiv: Sie übernahm den Vorsitz des Heimbeirats, besuchte Bewohnerinnen und Bewohner und begleitete sie auf Wunsch im Gebet. Ihr „Dranbleiben“ prägte sie bis zuletzt. 

Ruth wurde reich gesegnet – und wurde selbst zum Segen für viele Menschen. Gott sei Dank.

Ruth Votteler
Ruth und Karl Votteler - FK Reutlingen